Mittwoch, 27. Juli 2011

Auf Pleasure Island regiert die Langeweile

Es war DER Entertainment-Komplex auf dem Walt Disney World-Gelände: Pleasure Island. Aber: Er war umstritten und wurde zum Ende des Sommers 2008 plötzlich dicht gemacht. Die Nachtclubs wurden geschlossen - und das Gelände sollte in ein familiengerechteres Vergnügungsviertel umgebaut werden - doch auch drei Jahre danach ist davon noch nichts zu sehen. Ein Bericht von Reisejournalist Kai Dan Below.

Wilde Nächte in Nachtclubs verbringen? Tanzen, Alkohol, Rock-Konzerte.... das passte den Disney-Managern nicht ins Konzept. Lange wurde auf den oberen Management-Etagen diskutiert und verhandelt. Immer wieder mussten Top-Manager die Existenz von Pleasure Island rechtfertigen.  Hinzu kam die Tatsache, das man hier nicht wirklich Geld verdienen konnte. Die Nachtclubs waren teuer, hinzu kamen hohe Kosten durch Live-Bands, Comedians oder Straßenentertainer. 

Noch 2005 versuchte man, einzelne Clubs aufzuwerten, hier und da etwas zu verändern. So wurden Lokale, die besonders schlecht liefen, durch andere ersetzt, die mehr Umsatz versprachen. Der Club "Pleasure Island Jazz Co.", welcher als besonders kostenintensiv galt, wurde zum Irish Pub. Aber es ging kaum voran, die Besucherzahlen sanken stetig. Die Konkurrenz nahm zu, insbesondere durch Universal Orlando's CityWalk und dem Pointe Orlando auf dem International Drive. Ende des Sommers 2008 war dann endgültig Schluss, alle Nachtclubs wurden dicht gemacht. Fast alle, der Irish Pub existiert noch heute.

Disney hatte damals allerdings noch Großes vor. So hatte der Konzern Pläne präsentiert, Pleasure Island in ein Hafenstädtchen aus dem frühen 20sten Jahrhundert zu transformieren. "Hyperion Wharf" lautete der Projektname. Familiengerechter sollte es sein. Doch mittlerweile haben wir 2011 - und auf Pleasure Island hat sich nichts getan. Ein Yard House Restaurant oder auch ein Club, der an jüngere Teenager ausgerichtet ist bis hin zu Splitsville, einem komplex mit Bowlingbahnen, Billardtischen und Gourmetrestaurant - nichts davon konnte umgesetzt werden. Auch die Wirtschaftskrise und die daraus resultierende Kreditklemme machte es interessierten Investoren schwer.  

Jetzt hat Disney bekannt gegeben: Das Projekt "Hyperion Wharf" wird auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. Unwahrscheinlich, das dieses Konzept doch noch eines Tages wieder aus der Schublade geholt wird. Immerhin heisst es aus der Disney-Pressestelle: Ja, auf Pleasure Island tut sich nicht viel, aber wir haben ja drumherum in West Side und Marketplace - zwei Bereiche in Downtown Disney - einiges getan. Unter anderem wurde ein Dinosaurier-thematisiertes T-Rex-Café eröffnet und das AMC Kino bekam ein Restaurant. Das Problem hier allerdings: Um von West Side zum Marketplace, laut Disney gut laufenden Bereichen in Downtown, zu kommen, müssen die Besucher durch Pleasure Island. Und hier herrscht eben gähnende Langeweile. Abgerissene und leerstehende Gebäude motivieren nicht gerade, die rund 800 Meter lange Strecke zu laufen. 

Auf dem Weg finden sich noch heute der Irish Pub, ein recht neues Zentral-Amerikanisches Restaurant sowie ein Surf-Shop. Wie die Geschäfte hier laufen? Kein Kommentar von den Betreibern. Immerhin: Mit Jahren Verspätung soll zumindest Splitsville nun doch noch realisiert werden - Baubeginn ist im Herbst, heisst es von Disney. 

Den Walt Disney World Besuchern bleibt aber vorerst nachts kaum eine Alternative: Nach dem Feuerwerk-gucken in den Parks ist Nachtruhe angesagt. Der Disney-Konzern ist Familien- aber nicht Partyfreundlich. 


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